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Diese Wort der Bibel könnte besondere Bedeutung haben in der Zeit nach der Wahl:

"So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet und Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für Könige (=Kanzler) und für die Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit."

(Paulus an Timotheus 2,11f.)

Gebet verändert die Welt!

Zum 225. Geburtstag von Philipp Wilhelm Prozell

Philipp Wilhelm Prozell (10.04.1792 – 19.01.1888) war von 1834 bis 1876 als Pfarrer in Hinrichshagen tätig. Geboren in Detzel bei Magdeburg, legte er 1811 sein Abitur am Magdeburger Domgymnasium ab. Sein Theologiestudium beendete er schon 1813 in Berlin, in dem Jahr, als Preußen sich in der Völkerschlacht von Leipzig von der Herrschaft Napoleons befreite. Nach einigen Jahren als privater Hauslehrer, u.a. in Ballin, bekam der junge Mann 1818 eine Anstellung an der Elementarschule in Neustrelitz; in der Residenzstadt wirkte er auch viele Jahre als Kantor. Prozell war ein Mann der Schulreformen. Die Gründung der Realschule in Neustrelitz, in der besonders Selbstständigkeit und praktische Fähigkeiten gefördert werden sollten, geht auf ihn zurück.

Philipp Wilhelm Prozell war selbst außerordentlich praktisch veranlagt. Schon als Lehrer in Neustrelitz begann er mit Luftdruckmessungen, mit denen man Höhenangaben auf Landkarten genauer berechnen konnte. Über die -sen Umweg kam der Wahl-Mecklenburger, der 1834 die Pfarrstelle in Hinrichshagen antrat, auch zur Wetterkunde. Prozell war der erste Meteorologe Mecklenburgs, der mit modernen wissenschaftlichen Methoden arbeitete. 1848 richtete er im Hinrichshäger Pfarrgarten eine Wetterstation ein, deren Messungen deutschlandweit Beachtung fanden. Dem Forscher- geist dieses Mannes genügte das jedoch

bei weitem nicht: Er erfand land- wirtschaftliche Maschinen und führte neue Gesangslernmethoden ein, baute im Pfarrgarten exotische Pflanzen an und berichtete in Fachzeitschriften darüber, konstruierte Sonnenuhren und Fotoapparate...

Und daneben war Prozell liebevoller Ehemann und Vater (sieben Kinder aus zwei Ehen), leitete die Wirtschaft des Pfarrhofes und übte mit ganzer Kraft und Leidenschaft sein Pfarramt aus. Ihm, dem Musikliebhaber und Hobbymusiker, hat Hinrichshagen seine wunderbare (wenn auch leider gegenwärtig nicht bespielbare) Buchholzorgel zu verdanken! Für die Belange seiner Gemeindeglieder in Hinrichshagen, Oltschlott, Rehberg und Ballin, in der Regel bitterarme Landarbeiter, setzte er sich sozial engagiert ein, wenn er als politischer Konservativer auch Gegner der 1848er-Revolution blieb. Vor allem versuchte er das Niveau der Dorfschulen u.a. mit neuen Methoden (ältere Schüler unterrichten jüngere) zu heben; der Erfolg blieb aber begrenzt, unter anderem, weil die Kinder ihren Eltern bei der Landarbeit helfen mussten.

Mit 84 Jahren (!) legte Philipp Wilhelm Prozell, inzwischen Präpositus der Woldegker Synode und Kirchenrat, seine Amtsgeschäfte nieder. Seinen Lebensabend verbrachte er in Friedland; dort fand er auch seine letzte Ruhestätte. 2017 jährt sich sein Geburtstag zum 225. Mal. In diesem seinen Jubiläumsjahr könnte an die Hinrichshäger Kirche eine Gedenktafel, die an diesen besonderen Mann erinnert, angebracht werden.

Sebastian Prüfer

Reformationstag

Am Reformationstag (31.10) erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch Martin Luther vor 500 Jahren. Er ist DER evangelische Feiertag und dient der Legende nach zur Erinnerung an den Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther an die Schlosskirchentür in Wittenberg. Ob Luther seine gegen Missstände in der Kirche gerichteten Thesen am 31. Oktober 1517 tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch nicht gesichert. Eine andere Theorie besagt, er habe solche Thesen an seine Lehrer verschickt. Die öffentliche Wirkung seiner Thesen ist unumstritten und in gewisser Weise hat damit die Reformation begonnen, durch die wie heute zu einer evangelisch-lutherischen Kirche gehören. Der Augustinemönch Luther wollte die Kirche erneuern und sie zur Botschaft des biblischen Neuen Testaments als ihrem geistigen Ursprung zurückführen. Ein zentrales reformatorisches Abliegen Luthers war Predigt und Verbreitung des Wortes Gottes in der Landessprache. Weil sich die mittelalterliche Papstkirche einer Reform verweigerte, kam es zu der von Luther zunächst nicht beabsichtigten Kirchenspaltung und Bildung der evangelischen Kirche. In den Landeskirchen wurde der Feiertag zunächst je nach dem Termin der Einführung der Reformation gefeiert. Johann Georg II. von Sachsen bestimmte dann 1667 den Tag des „Thesenanschlags“ zu Reformationstag, der sich allgemein durchsetzte.

Heute wird der Gedenktag als Gelegenheit zur evangelischen Selbstbesinnung und Selbstprüfung verstanden.

Der Reformationstag ist in vielen Bundesländern kein staatlicher Feiertag mehr und wird nur noch in überwiegend evangelischen Gemeinden in den neuen Bundesländern als gesetzlicher Feiertag gegangen. Hier werden im Verbreitungsgebiet anlässlich des Feiertages im Oktober jedes Jahres Reformationsbrötchen / Reformationsbrote gebacken oder in fast allen Bäckereien angeboten. Hierbei handelt es sich meist um ein quadratisch aussehendes, süßes Gebäck von der Größe eines Brötchens. Das Reformationsbrot ist deutlich größer, rund und wird in verschiedenen Größen von 250g – 1000g in der Gegend um Dresden und im Vogtland angeboten.

Das Reformationsbrötchen soll eine Lutherrose symbolisieren, die jedoch fünf Spitzen hat und nicht vier, wie das Brötchen. Die Lutherrose zeigt in der Mitte ein rotes Herz (mit einem Kreuz), welches beim Reformationsbrötchen durch einen Klecks roter Marmelade symbolisiert wird.

Mit der Lutherrose hatte Martin Luther zu seiner Zeit seine Schriften als eine Art Stempel versehen, um sie als von ihm stammendes Original zu kennzeichnen.

Eine andere Theorie zur Abstammung des Reformationsbrötchens vermutet die Darstellung einer Bischofsmütze, eine Mitra aus der Reformationszeit. Früher wurde das Gebäck auch als Pfaffenkäppchen oder Tetzelmütze bezeichnet.

Eine weitere Theorie besagt, dass jede der vier Ecken je einem Mitstreiter Luthers gewidmet sei. Der Teig entspricht einen leichten Stollenteig, mit weniger Butter und Rosinen als in einem traditionellen Stollenteig. Meist erden die Reformationsbrötchen mit Puderzucker bestreut serviert, die Reformationsbrote werden meist mit heißer Aprikosenkonfitüe bestrichen, mit Zuckerglasur überzogen und mit Mandelblättchen betreut. Das Originalrezept sieht Korinthen statt Rosinen vor.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen das Rezept für Reformationsbrötchen nicht vorenthalten:

Zutaten:

500 g Mehl

40 g Hefe

100 g Zucker

250 ml Milch

90 g Butter

100 g Rosinen (Korinthen)

50 g gehackte Mandeln

50 g Zitronat (gehackt)

50 g Orangeat (gehackt)

Abrieb einer halben Zitrone

Ca. 200 g Erdbeerkonfitüre

Puderzucker

Zubereitung

Hefe, Zucker und 8 Eßlöffel Milch vermengen und in eine Mehlmulde hineingeben, mit Mehl bestreuen und an einem warmen Ort zugedeckt aufgehen lassen. Nach ca. einer halben Stunde Butter, Rosinen, Mandeln, Zitronat, Orangeat und Zitronenschale sowie die restliche Milch zugeben, alles zu einem Teig verkneten und für ca. eine weitere halbe Stunde gehen lassen – bis sich der Teig optisch verdoppelt hat.

Den Teig kneten, ausrollen und in Quadrate von 12x12cm schneiden, die Ecken einschlagen, so dasss die Spitzen in der Mitte zusammenstoßen, in die Mitte je 1 Teelöffel Konfitüre geben und nochmals ca. eine halbe Stunde gehen lassen.

Im vorgeheizten Backofen bei 200°C für 20 min backen, mit Puderzucker bestreut servieren. Als Variante kann der Teig in brötchengroße Kugeln portioniert werden, kann mit der Schere von oben kreuzweise (relativ großzügig) einschneiden, einen Konfitüreklecks in die Mitte geben und Backen – beim Backen „blühen“ die Zipfel wunderschön auf, abschließend werden diese Brötchen mit Zuckerguß glasiert.

Von Carmen Lietzow